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Kongressbericht zum GU-ASCO 2017
16.02.-18.02.2017 Orlando

PD Dr. Jan Lehmann

Facharzt für Urologie

Urologische Gemeinschaftspraxis
Prüner Gang 15
24103 Kiel

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Kongressbericht zum GU-ASCO 2017

Einleitung

unter dem Motto ‚Patient-Centric Care: Translating Research To Results‘ fand in diesem Jahr das 13. Genitourinary Cancers Symposium in Orlando statt. Der Kongressbericht beinhaltet die interessantesten Vorträge & Abstracts zum Prostatakarzinom aus 130 Beiträgen zum lokal begrenzten Prostatakarzinom und 148 Beiträgen zum fortgeschrittenen Prostatakarzinom. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!

I. Diagnostik

#1 Eeles R et al.: Prostate cancer meta-analysis from more than 145,000 men to identify 65 novel prostate cancer susceptibility loci.

Sogenannte „Genom-wide association studies“ (GWAS) konnten bereits über 100 PCa susceptibility loci identifizieren, mit deren Hilfe 33% des relativen familiären Risikos in einer Europäischen Population bestimmt werden können. In der aktuellen Studie wurden knapp 49.000 PCa Fälle und ca. 29.000 Kontrollen mit Europäischer bzw. Asiatischer Abstammung untersucht. Mit Hilfe der hierbei identifizierten 65 weiteren Genloci konnten in Kombination mit den vorbekannten Genloci nun 38,5% des familiären relativen Risikos nachvollzogen werden. Das obere 1% der genetischen PCa-Risikogruppe hatte dabei ein 5,6-fach erhöhtes relatives Risiko gegenüber der medianen Risikogruppe.

Persönliches Fazit:
Der Aufwand zur Identifizierung einer 1% großen Gruppe mit 5,6-fach erhöhtem PCa-Risiko ist relativ hoch und umfasst die Untersuchung von mittlerweile >100 Genloci. Damit ist u. a. die genetische Determinierung für ein PCa deutlich weniger klar definiert als beim Brustkrebsrisiko für Frauen. Die simpler zu erhebende positive familiäre PCa-Vorbelastung birgt im Allgemeinen bereits ein etwa 4-fach erhöhtes PCa-Risiko.

#112 Dhillon P et al.: Informed decision making (IDM) for prostate cancer (PCa) screening in a high-risk population

Bei 106 Männern mit hohem Risiko für eine PCa Erkrankung (familiäre Vorgeschichte bzw. afro-amerikanische Abstammung) wurde ein Programm zur informierten Entscheidungsfindung mittels Powerpoint Präsentation und Fragebogen vor und nach einer Screening-Untersuchung durchgeführt. Es entschieden sich 21 Männer (20%) für eine ausschließlich PSA-basierte Screening-Untersuchung und 60 Männer (57%) für die PSA- und digital-rektale Untersuchung (DRU). Dreizehn von 81 Männern (16%) hatten einen auffälligen PSA-Wert und 5 (8%) hatten eine auffällige DRU. Insgesamt 5 (8%) PCa-Diagnosen wurden per Biopsie diagnostiziert. 82% der Männer favorisierten eine informierte Entscheidungsfindung vor dem Screening und nur 18% würden eine Screeninguntersuchung ohne vorherige Information vorziehen. 75% der Patienten beurteilten das Informationsmodell als „very helpful“ (Primärer Endpunkt, Abb. 1)

Fazit:
Die überwiegende Mehrheit der Patienten favorisierte eine unterstützte Entscheidungsfindung.

#57 Carneiro A et al.: Comparison of Gleason upgrading rates in transrectal ultrasound systematic random biopsies versus MRI fusion biopsies for prostate cancer

In dieser unizentrischen retrospektiven Untersuchung an 162 Patienten aus Sao Paulo, Brasilien, erhielten zwischen 2011 und 2016 73 PCa-Patienten zur Diagnosestellung eine MRT-Ultraschall Fusionsbiopsie und 89 Männer lediglich eine systematische TRUS-gesteuerte Biopsie. Die Rate des Gleason-Upgradings nach Operation im endgültigen Prostatektomiepräparat war höher in der TRUS-Gruppe als in der MRT-Fusionsbiopsie (31,5% vs. 16,4%; p = 0,027).

Fazit:
Die MRT/US Fusionsbiopsie scheint weniger Gleason Upgrading im Prostatektomiepräparat nach sich zu ziehen als die alleinige TRUS-gesteuerte Biopsie und birgt damit mehr Übereinstimmung mit dem endgültigen Gleason Grad.

#15 Calio BP et al.: Changes in prostate cancer detection rate of fusion versus systematic biopsy over time – A single center experience

In dieser Studie aus den „National Institutes of Health“ in Bethesda, USA, mit 1.528 untersuchten Patienten zeigten sich über 3 verschiedene Zeitperioden hinweg zunehmend bessere Ergebnisse für die MRT/Ultraschall-Fusionsbiopsie zur PCa-Diagnostik gegenüber der alleinig TRUS-gesteuerten systemischen Biopsie. In der Zeit ab Mai 2013 konnte bei 761 Patienten mittels MRT-Fusionsbiopsie mehr klinisch signifikante Tumore als durch die TRUS-Biopsie (36,5% vs. 30,2%, p<0,001) detektiert werden. Umgekehrt wurden zunehmend weniger insignifikante bzw. low risk Karzinome durch die MRT-Fusionsbiopsie gegenüber der alleinigen TRUS-Biopsie detektiert (12,5% vs. 19,5%, p<0,001). Fazit:
Diese Arbeit bestätigt Daten von Ahmed et al. „Diagnostic accuracy of multi-parametric MRI and TRUS biopsy in prostate cancer (PROMIS)“, die nur wenige Wochen vor der GU-ASCO Tagung hochrangig in Lancet publiziert wurden (Lancet 389:815-822, 2017; Abb. 2).

MP-MRI=multi-parametric MRI. TPM-biopsy=template prostate mapping biopsy. Pie charts represent actual MP-MRI scores 1-5. Sensitivity 93% (95% CI 88-96), positive predictive value 51% (46-56), specificity 41% (36-46), negative predictive value 89% (83-94). Modifiziert nach Lancet (Lancet 389:815-822, 2017).

#25 Ingham MD et al.: Cost-effectiveness analysis of magnetic resonance imaging- ultrasound fusion biopsy versus systematic transrectal ultrasound-guided biopsy in diagnosing prostate cancer

In dieser Kosten-Nutzen-Analyse senkt die primäre MRT-Fusionsbiopsie bei Patienten mit erhöhtem PSA-Wert trotz höherer initialer Kosten gegenüber der TRUS-Biopsie die Gesamtbehandlungskosten von Patienten mit PCA durch Vermeidung von Interventionen bei klinisch insignifikanten PCas.

#3 Feng F et al.: Luminal and basal subtyping of prostate cancer

In dieser grundlegenden Arbeit aus San Francisco wurden 1.567 Prostatektomie-Proben mit high-risk Klassifizierung nach d’Amico mit einem Microarray-System (PAM50), welches für die Brustkrebsdiagnostik entwickelt wurde, untersucht. Die Verteilung zeigte in 34% luminalA Typ, 29% luminalB Typ und 37% Basal Typ high-risk PCa. Die Prognose hinsichtlich verschiedener Endpunkte war für die Subtypen luminal B < Basal < luminal A (mit 10 J Gesamtüberlebensraten von 69/80/82% und PCa-spezifischen Überlebensraten von 78/86/89%). Die beiden luminalen Subtypen waren assoziiert mit einer erhöhten Androgenrezeptor-Expression, während der Basal- und auch luminalB-Subtyp vermehrt Proliferationsmarker exprimierten. Interessanterweise zeigte sich retrospektiv analysiert nur bei den luminalB-Subtypen ein signifikantes Ansprechen auf eine postoperative antiandrogene Therapie (AAT), während sich in der Subgruppe der nicht-luminalB Patienten unter AAT sogar ein schlechteres metastasenfreies Überleben nachweisen ließ. Vergleichbar zum Mammakarzinom wie auch invasivem Blasenkarzinom scheint eine luminale/basale Subklassifikation hilfreich für die Prognosestellung sowie möglicherwiese auch weitere Behandlungsentscheidungen zu beeinflussen.

II. Lokal begrenztes Prostatakarzinom

#17 Shaverdian N et al.: Impact of the primary information source used for decision making and implications for treatment regret in prostate cancer

In einer Arbeit aus der UCLA School of Medicine in Los Angeles, USA, beantworteten 276 von 322 angeschriebenen Patienten mit Prostatakarzinom einen Fragebogen nach Abschluss einer lokalen Prostatakarzinom-Behandlung (Operation oder Bestrahlung). Nach Verwendung des Internets als primäre Informationsquelle vor Therapieentscheidung bereuten 43% der Patienten im weiteren Verlauf ihre Behandlungserfahrung. Letztlich schien die Zufriedenheit der Patienten am höchsten, wenn Ärzte (Urologen oder Strahlentherapeuten) sowie ggfs. auch der Austausch mit anderen Betroffenen (Selbsthilfegruppen) als Informationsquelle genutzt wurden.

#37 Kosarek CD et al.: Overall survival advantage with radical prostatectomy/RT for prostate cancer 

In dieser „gematchten“ Kohortenstudie aus der Surveillance, Epidemiology, and End Results (SEER) Datenbank wurden 34.473 Patienten im Alter von 66 bis 75 Jahre mit Behandlung eines lokalisierten Prostatakarzinoms ohne weitere Co-Morbidität mit einer weiteren Gruppe ohne Krebserkrankung verglichen. Sowohl die chirurgisch behandelten (12.733, 37%) als auch die Patienten mit Strahlentherapie (21.740, 63%) zeigten ein besseres Gesamtüberleben im Vergleich zu der nicht an Krebs erkrankten Vergleichsgruppe (OP: HR=0,35; 95% CI 0,32-0,38 sowie Radiatio: HR=0,72; 95% CI 0,68-0,75). Männer mit einer operativen Behandlung wiederum zeigten ein besseres Überleben als Patienten mit Bestrahlung (p<0,001). Fazit:
Wenngleich sich laut Autoren inhärente, nicht gemessene Co-Faktoren in diesen großen Datensammlungen vermuten lassen und ein positiver Selektionsbias für behandelte PCa Patienten vorliegen mag, überleben interessanterweise diagnostizierte und behandelte US-amerikanische Patienten mit lokalisiertem PCa signifikant länger als eine „gematchte“ Vergleichsgruppe ohne Krebserkrankung.

#61 Seyedin SN et al.: Does higher number of lymph nodes excised during radical prostatectomy improve biochemical relapse-free survival in patients with pT2-3a/pN0 prostate cancer?

In dieser retrospektiven unizentrischen Studie aus Iowa City, USA, wurde bei 446/672 Patienten (66%) mit lokalisiertem PCa-Stadium pT2-3a/pN0, die sich einer radikalen Prostatektomie unterzogen hatten, eine Standard-Lymphadenektomie durchgeführt. Bei 396 Patienten war die genaue Anzahl der entnommenen Lymphknoten bekannt (median 5; range 1-24). Nach einer medianen Verlaufsbeobachtung von 82 Monaten wiesen 140 Patienten ein PSA-Rezidiv mit entsprechend biochemisch rezidivfreiem Überleben von 81% nach 5 Jahren und 76% nach 8 Jahren auf. In der univariaten Analyse wurden als signifikante Parameter ein höherer Gleasongrad, ein intermediäres & hohes Risikoprofil nach D´Amico, ein höherer Anteil Tumor-positiver Biopsie-Stanzen und die Durchführung einer Lymphadenektomie als negative Einflussgrössen für ein PSA-Rezidiv identifiziert. Die Anzahl entnommener Lymphknoten allerdings war ohne Einfluss auf ein PSA-Rezidiv bei Patienten mit lokalisiertem pT2-3a/pN0 PCa.

#86 Modi PK et al.: Utilization of pelvic lymph node dissection for low-risk prostate cancer

Die Arbeit untersuchte 51.971 Patienten aus einer US-amerikanischen Krebsdatenbank, die sich mit einem low-risk PCa einer Roboter-assistierten Prostatektomie unterzogen. Von diesen erhielten 19.059 Männer (36,7%) eine pelvine Lymphadenektomie. Tumorpositive Lymphknoten waren lediglich bei 0,4% der Patienten nachweisbar. Die pelvine Lymphadenektomie wurde vorwiegend bei Patienten aus ländlichen Regionen, in Einrichtungen mit hohem Patientenaufkommen sowie in akademischen Zentren durchgeführt.

Fazit:
Mehr als 1/3 der Patienten mit niedrig-Risiko PCa erhielten entgegen gängiger Leitlinien eine unnötige pelvine Lymphadenektomie, was für eine entsprechend niedrige Leitlinienpenetranz hinsichtlich der nicht indizierten Lymphadenektomie bei niedrig-Risiko PCa in den USA spricht.

#9 Agrawal S et al.: Prostate cancer specific mortality and overall survival outcomes for salvage radiation therapy after radical prostatectomy

Aus einer gemeinsamen Datenbank von 10 akademischen Zentren in den USA wurden retrospektiv 2.454 Patienten ausgewertet, die eine Salvage-Radiatio bei PSA-Rezidiv nach Radikaler Prostatektomie erhalten hatten. Multivariat konnten als unabhängige Faktoren ein höherer PSA-Wert zum Zeitpunkt der Salvage-Radiatio, höherer Gleason-Score und Samenblaseninfilatration im Prostatektomiepräparat identifiziert werden. Die folgende Tabelle mit signifikanten Überlebensunterschieden zwischen den PSA-Gruppen legt die Einleitung einer Salvage-Radiatio vor Überschreiten eines PSA-Wertes von 0,5 ng/ml nahe.

#e542 Hagiwara K et al.: Efficacy of a neoadjuvant gonadotropin-releasing hormone antagonist plus low-dose estramustine phosphate in high-risk prostate cancer: A single-center study.

Zwischen September 2005 und März 2016 wurden 406 high-risk PCa Patienten vor einer Prostatektomie neoadjuvant entweder mit einem LHRH-Antagonisten & Estramustin (EMP) behandelt (n=136) oder mit einem LHRH-Agonisten & EMP (n=270). Die Rate der pathologischen ≤T2-Stadien als primärer Endpunkt der Untersuchung lag im Antagonist/EMP-Arm bei 80,2% und beim Agonist/EMP-Arm bei 61,5% (p<0,001). Die 3-Jahres biochemisch-rezidivfreie Zeit lag bei 97,8% für den Antagonist/EMP-Arm und 85,2% für den Agonist/EMP-Arm (p=0,021). Eine multivariate Analyse zeigte, dass der Biopsie Gleason-Grad, die Behandlung LHRH-Antagonist/EMP und das präoperative klinische T-Stadium unabhängige Faktoren für das pathologische ≤T2-Stadium im chirurgischen Präparat sind. #2 Glode LM et al.: Adjuvant androgen deprivation (ADT) versus mitoxantrone plus prednisone plus ADT in high-risk prostate cancer patients following radical prostatectomy

Es wurden in dieser adjuvanten Studie nach Prostatektomie high-risk Patienten randomisiert in eine weitere Behandlung mit alleiniger Androgen-Deprivation (ADT) gegenüber ADT in Kombination mit Mitoxantron. Ohne einen signifikanten Überlebens-Unterschied in den beiden Behandlungsgruppen zeigten sich erstaunlich positive 10-Jahres-Gesamtüberlebensraten von >85% für die insgesamt 961 randomisierten Patienten in beiden Gruppen. Die Studie wurde bereits 2007 wegen erhöhter Leukämierate im Mitoxantron-Behandlungsarm abgebrochen.

#19 Dinh KT et al.: The association of androgen deprivation therapy and anxiety among 78.000 patients with localized prostate cancer patient

Bislang haben Angstzustände als Endpunkt in Untersuchungen zur PCa-Behandlung praktisch keine Rolle gespielt. In dieser Studie wurden anhand von 33.882 Männern aus der amerikanischen SEER-Datenbank mit Lebensalter >65 Jahre und einem Stadium I-III PCa, welche mit einer Androgen-Deprivationstherapie (ADT) behandelt wurden, zusätzliche Diagnosen analysiert. Als Vergleichsgruppe dienten 44.670 Männer ohne ADT. Ausgeschlossen wurden Männer mit Feststellung einer psychiatrischen Diagnose im Jahr zuvor. Die ADT Gruppe hatte eine höhere 3-Jahres kumulierte Inzidenz von Angstzuständen (4,1% vs. 3,5%, p <0,001). Eine adjustierte Cox-Analyse mittels Propensity-matching zeigte, dass ADT-Patienten eine um 17% erhöhte Inzidenz von Angsstörungen hatten (aHR = 1,17, 95% CI 1,088-1,263, p<0,0001). Das Risiko für eine Angststörung nahm dabei mit zunehmender Dauer der ADT zu, von 4,5% (6 Monate) auf 5,8% in den Monaten 7 bis 11 und auf 15,7% nach einem Jahr (p-Trend 0,0123). Fazit:
Die Möglichkeit von Angststörungen sollte neben der potentiellen Auslösung von Depressionen als psychiatrische Nebenwirkung der ADT mit den Patienten vorab diskutiert werden.

III. Fortgeschrittenes PCA

#155 Rahbar K et al.: Safety and efficacy of 177lu-PSMA-617 radioligand therapy in patients with mCRPC – A multicenter study

In dieser bundesdeutschen Studie an 12 nuklearmedizinischen Abteilungen in Deutschland erhielten 145 Patienten mit einem mCRPC (metastasiertes kastrations-resistentes PCa) 1-4 Dosen einer 177Lu-PSMA-617 Behandlung in 12 Therapieeinrichtungen in Deutschland. Insgesamt wurden bei den im Durchschnitt 73 Jahre alten Männern (Range 43-88 Jahre) 248 Therapiezyklen mit einem Aktivitätsbereich zwischen 2–8 GBq durchgeführt. Das mediane Follow-up der Patienten betrug 16 Wochen. Die biochemische Ansprechrate mit einer mindestens 50%igen Reduzierung des Baseline-PSAs lag bei insgesamt 45% (Abb. 3). Eine erhöhte Alkalische Phosphatase und das Vorliegen viszeraler Metastasen korrelierten negativ mit dem PSA-Ansprechen und die Anzahl der verabreichten Therapiezyklen wiederum korrelierte positiv. Bei 22 von 31 (71%) Patienten ohne PSA-Ansprechen nach einer Dosisgabe zeigte sich auch nach einem zweiten Zyklus kein PSA-Ansprechen. Die Verträglichkeit war insgesamt gut mit einer Grad 3-4 Hämatotoxizitätsrate von 12% (18/145), davon 10% Anämie, 4% Thrombozytopenie und 3% Leukopenie. Eine limitierende Xerostomie trat in 8% der Fälle auf.

Fazit:
Die Radio-Liganden-Therapie mit 177Lu-PSMA-617 zeigte vielversprechende Ansprechraten sowie eine niedrigere Toxizität in bereits mehrfach vortherapierten Patienten mit fortgeschrittenem kastrations-resistentem Prostatakarzinom. In weiteren Studien muss der Einfluss dieser Therapie auf das Überleben bzw. die Übertragung auf frühere Tumorstadien noch prospektiv untersucht werden.

#203 Autio K et al. A Phase 2 Study Combining Ipilimumab and Degarelix +/- Radical Prostatectomy (RP) in Men with Newly Diagnosed metastatic Non-Castrate Prostate Cancer (mNCPC) or Biochemically Recurrent BRNCPC

Exemplarisch sei diese Studie aus dem Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York City aufgeführt, in der eine Kombinationstherapie aus Androgen-Deprivation (LHRH-Antagonist Degarelix) und einem Immuntherapeutikum, Ipilimumab, welches für die Behandlung fortgeschrittener Melanomerkrankungen zugelassen ist, bei Patienten mit metastasiertem hormon-sensitiven PCa in einer frühen klinischen Phase getestet wurde. Unter einer hohen Dosis von 10mg/kg Ipilimumab erreichten 6 von 7 Patienten (86%) einen nicht mehr nachweisbaren PSA-Wert. Die Dosis musste allerdings aufgrund von Nebenwirkungen auf 3mg/kg reduziert werden. Die Studie wurde letztlich auch mit einer reduzierten Ipilimumab-Dosierung aufgrund von Nebenwirkungen und schlechter Patientenrekrutierung eingestellt. Dieser Verlauf bestätigt bisherige Studien beim Prostatakarzinom, dass anders als beim Nierenzell- bzw. Urothelkarzinom die Wirksamkeit bzw. entsprechende Verträglichkeit von Immun-Onkologika bei fortgeschrittenen PCa-Patienten bislang nicht etabliert sind. Eine Vielzahl klinischer Studien sind hierzu allerdings noch in Durchführung.

#165 De Bono JS et al.: Efficacy and safety of enzalutamide in patients with mCRPC previously treated with abiraterone acetate

Von 215 mit Abirateron vorbehandelten Patienten wurden in dieser Studie 214 mit Enzalutamid (Enza) behandelt. Die mediane Dauer der Abi-Vortherapie lag bei 54 Wochen und das mediane Alter der Patienten betrug 73 Jahre. Die mediane Therapiedauer mit Enza lag bei 5,7 Monaten, wobei Patienten mit einem PSA-Ansprechen (27%; 48/181 auswertbar) im Median Enza für 12 Monate erhielten und PSA-Nonressponder nur für 4,6 Monate. 16% der Patienten erhielten die Enza-Therapie für mindestens 1 Jahr, wobei Therapieabbrüche bei 65% der Patienten durch Progression der Erkrankung und bei 8% bedingt durch Nebenwirkungen auftraten. Als häufigste relevante Nebenwirkungen wurden Fatigue (32%), verminderter Appetit (25%), Asthenie (18%), Rückenschmerzen (17%) und Arthralgie (16%) ohne jegliche Fälle von zerebralen Anfällen genannt. 75% der Patienten waren ein Jahr nach Einleitung der Enza-Therapie noch am Leben.

Fazit:
Enza zeigte bei Patienten mit mCRPCa und vorheriger Abi-Therapie eine gute Aktivität mit vergleichbarem Nebenwirkungsprofil wie in der Zulassungsstudie.

#219 Terada N et al.: Exploring optimal sequence of abiraterone and enzalutamide in patients with castration-resistant prostate cancer – The Kyoto-Baltimore collaboration

Die gemeinsame retrospektive Untersuchung der Kyoto Universität in Japan und des Johns Hopkins Krebszentrums in den USA wertete die Behandlung mit Abirateron (Abi) und Enzalutamid (Enza) bei 352 konsekutiven Patienten mit kastrations-resistentem PCa aus. Die Abi-Enza Sequenz erhielten 163 Patienten (prä-Chemo 116, post-Chemo 47) und die Enza-Abi Sequenz erhielten 189 (prä-Chemo 85, post-Chemo 104). Das PSA-Ansprechen (>50% Reduktion) in der Erstlinienanwendung war bei Abi 47 % und bei Enza 52 % und in der Zweitlinienapplikation bei Abi 9% und bei Enza 29%. In der prä-Docetaxel-Chemotherapie Population war das mediale PSA-progressionsfreie Überleben (PFS) in der Erstlinientherapie zwischen Abi (median 194 Tage) und Enza (median 126 Tage) nicht signifikant unterschiedlich (p=0,411). Allerdings bestand ein signifikanter Vorteil (p=0,008) in der Zweitlinien-Anwendung für Enza (median 91 Tage) verglichen zu Abi (median 55 Tage). Das kombinierte PSA-PFS war ebenfalls signifikant länger (p=0,008) in der Abi-Enza Sequenz (median 455 Tage) als in der Enza-Abi Sequenz (median 296 Tage). Es bestand zwischen den beiden Sequenzen jedoch kein signifikanter Unterschied (p=0,598) für das Gesamtüberleben.

Fazit:
Die Sequenz Abi-Enza scheint eine bessere Effektivität im Bezug auf das PSA-freie Überleben auch in der prä-Chemo Situation zu zeigen als die Sequenz Enza-Abi, wenngleich sich die Therapiefolgen nicht signifikant im Gesamtüberleben unterscheiden. Enza scheint sich somit seine Wirksamkeit in der Zweitlinien-Anwendung besser zu erhalten als Abi, was bereits in einer Reihe kleinerer Studien v.a. im post-Chemotherapie Einsatz gezeigt werden konnte.

#147 Slovin SF et al.: Seizure rates in enzalutamide treated men with metastatic castration-resistant prostate cancer at increased risk of seizure – UPWARD study

In dieser Studie zur Rate Therapie-induzierter zerebraler Anfallsleiden unter Enzalutamid (Enza)-Therapie wurden 423 Patienten mit vorbestehendem Risiko untersucht, von denen 366 (87%) weiter auswertbar waren. Vor Beginn der Therapie bestanden bei den Patienten folgende Risikofaktoren für zerebrale Anfälle: Herabsetzung der Krampfschwelle durch andere Medikamente (n=242), vorbestellende traumatische Schädigungen des Gehirns (n=112) sowie abgelaufene zerebrovaskuläre transiente ischämische Attacken in der Vorgeschichte (n=94). Letztlich wurde nur von 4 Patienten (1.1 %) ein oder mehrere bestätigte Anfälle innerhalb der ersten 4 Monate nach Enza-Therapieeinleitung berichtet, was einer Rate an bestätigten Anfällen von 2,6 pro 100 Patientenjahren entsprach.

Fazit:
Die Inzidenz bestätigter zerebraler Anfälle in der UPWARD-Studie entspricht der Inzidenz von Patienten mit mCRPC und ähnlichen Risikofaktoren ohne Enza-Therapie (siehe TRUVEN-Bericht mit Anfallsrate von 2,8/100 Patientenjahren). Somit scheint die Sorge vor Induzierung zerebraler Anfallsleiden durch die Enza-Therapie insbesondere bei einem Risiko-behafteten Kollektiv unbegründet.

Quellennachweis

Abb. 1: #112 Dhillon P et al.
Abb. 2: #15 Calio BP et al.
Abb. 3: #155 Rahbar K et al.